Blog Entry No. 49 – Felix Ever After

Blog Entry No. 49 – Felix Ever After

Liebe Leser*innen,

eine letzte Rezension für 2021 möchte ich euch nicht vorenthalten: Kacen Callenders Felix Ever After! Eigentlich wollte ich diesen Roman schon vor einer ganzen Weile in der Originalsprache lesen, aber so wirklich ergeben hat es sich nicht. Als dann aber die deutsche Ausgabe im Lyx Verlag erschien und auch direkt bei NetGalley zur Anfrage verfügbar war, gab es keine Ausreden mehr, ich musste es einfach lesen.

Cover der deutschsprachigen Ausgabe im Lyx Verlag

Felix Ever After wurde am 5. Mai 2020 bei Balzer + Bray veröffentlicht und erschien am 29.10.2021 in Deutschland beim Lyx Verlag. Kacen Callenders gewann bereits den Stonewall Book Award sowie den Lambda Literary Award und ist besonders für die preisgekrönten Bücher Hurricane Child, Queen of the Conquered und King and the Dragonflies bekannt. Der Roman, um den es in dieser Rezension gehen wird, wurde vom TIME MAGAZINE zu einem der 100 wichtigsten und einflussreichsten YA-Bücher gewählt und ist unter der ISBN 9783736316829 zu finden. Mir wurde ein Rezensionsexemplar von Netgalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

An diesem Cover gibt es zwei Aspekte, die ich sehr mag und hervorheben möchte: Zum einen bin ich ein großer Fan davon, wenn Cover den Inhalt des Buches aufgreifen, was in diesem Fall auch sehr offensichtlich gemacht wird, denn Felix malt in der Geschichte eine Reihe von Selbstportraits, unter anderem ein farbenfrohes, auf dem er eine Krone aus Blumen trägt. Zum anderen finde ich es auch schön, wie ähnlich das Cover der deutschsprachigen Ausgabe dem der Originalausgabe ist. Auch den Titel nicht zu verändern halte ich für eine gute Entscheidung, weil in diesem Fall sehr wahrscheinlich das Wortspiel komplett verloren gegangen wäre.

Das Cover der Originalausgabe, zu finden bei goodreads

Klappentext: Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt – die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans – die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft…

Felix Ever After war das erste Buch seit einiger Zeit, das ich innerhalb weniger Tage geradezu verschlungen habe. Der Schreibstil war super angenehm und authentisch, man konnte sich wirklich gut in die Geschichte einfühlen. Dadurch, dass die Handlung aus Felix‘ Perspektive geschildert wird, war außerdem die emotionale Nähe gegeben, die bei solchen Romanen einfach unerlässlich ist. Hinzu kommt, dass sich der Plot aus einer sehr gut ausbalancierten Mischung aus Romantik, Emotion, Spannung und wichtigen Themen zusammensetzt.

Wichtiger als über den Schreibstil zu reden, ist es aber den Inhalt zu thematisieren: Felix Ever After ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie gute Repräsentation aussehen kann. Es war herzzerreißend, zu lesen, welch enorme Selbstzweifel Felix hat, weil er sich noch nie richtig verliebt hatte, Schwarz, trans* und queer ist und es trans*feindliche Menschen gibt, die ihm mitten ins Gesicht sagen, er wäre frauenfeindlich, weil er sich „entschieden“ hätte, nicht weiblich zu sein. [So viel Bullsh*t in einer Aussage und das von einer queeren „Feministin“, Buchcharaktäre haben mich selten so derart sauer gemacht!] Viel schlimmer noch war jedoch, zu wissen, dass das, was man da liest, für so so viele Menschen die grausame Realität ist. Es tut so weh zu wissen, dass es tatsächlich Personen gibt, die der Meinung sind, man würde sich für sein Geschlecht entscheiden, noch dazu, um dem Feminismus zu schaden. Es tut weh, zu wissen, dass tatsächlich immer noch Menschen enterbt und verstoßen werden, nur weil sie sich nicht entsprechend der cis-hetero-Norm verlieben. Es ist so schmerzhaft jedes Jahr aufs neue die Zahlen des Trans Murder Monitoring Projekts zu sehen, zu sehen, dass jedes Jahr mehr Menschen diskrimiert werden, Gewalt erfahren und umgebracht werden, weil sie trans*, Schwarz, indigen, of Colour und/oder queer sind (mehr Informationen findet ihr hier und hier).

https://transrespect.org/en/tmm-update-tdor-2021/

Genauso alarmierend ist es ebenso die Statistiken zur Suizidrate und Mentalen Gesundheit queerer junger Menschen zu sehen (Hier am Beispiel der USA: Trevor Project’s 2021 National Survey on LGBTQ Youth Mental Health).
Aber genau deshalb braucht es mehr Bücher wie Felix Ever After. Denn so schmerzhaft es war von dem Hass, dem Unverständnis und den dadurch verstärkten Selbstzweifeln zu lesen, so wohltuend war es so viele queere Menschen in einem Buch zu haben (das ist, nebenbei bemerkt, auch viel realistischer, queerios travel in packs, my dear), von dem, wie ich finde wirklich gut beschriebenen, Gefühl zu lesen, wenn man das Label findet, das tatsächlich zu der Art und Weise, wie man (sich) fühlt passt und vor allem Felix‘ Entwicklung zu erleben. Felix Ever After ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wirklich gute Repräsentation aussehen kann, bitte mehr davon! Außerdem lag der Fokus der Erzählung nicht nur auf der Romantik, sondern vor allem auch darauf, die eigene Identität, dein eigenen Weg zu finden und das in Jugendliteratur zu transportieren ist unglaublich wichtig. Es ist okay, wenn man sich nicht im Jugendalter verliebt, es ist okay, wenn man sich überhaupt nicht verliebt und es ist okay, die eigenen Ziele zur Priorität zu machen.

Felix Ever After ist ein unglaublich wichtiges (Young Adult) Buch, von welchem die Buchhandlungen und Bibliotheken ganz dringend mehr in den Regalen stehen haben sollten. Mein abschließendes Urteil also: Der Hype ist verdient!

– ganz viel Liebe, Aly

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